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Kurzgeschichte 1

„Lauf nicht zu weit!“, rief die junge Mutter ihrem dreijährigen Sohn hinterher.
Der kleine Bastian lief splitternackt über den Sand und juchzte fröhlich.
Lächelnd sah Cathreen ihrem Nackedei nach, während sie es sich im Strandkorb bequem machte. Sie hatte eine schreckliche Nacht gehabt und war todmüde. Die Nachtarbeit machte ihr schwer zu schaffen. Doch da sie tagsüber Zeit für Bastian haben wollte, ging es nun mal nicht anders. Ihr Freund hatte die Zwanzigjährige sitzen gelassen als sie schwanger geworden war und von ihren Eltern bekam sie auch so gut wie keine Unterstützung. Und darum war es nicht verwunderlich, dass sie binnen Sekunden einschlief.
Als Cathreen erwachte, wurde es langsam dunkel. Ein frischer Wind war aufgekommen und sie fröstelte. Einen Moment war sie durch den Schlaf verwirrt, aber dann war sie plötzlich hellwach.
„Basti? Bastian!“
Verzweifelt lief sie den Strand auf und ab. Kein Bastian, der kleine Junge schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Nur sein Strandspielzeug lag unberührt im Sand und seine winzigen Fußabdrücke reichten genau bis zur Wasserlinie.
Vielleicht ist er ja ertrunken!´, dachte sie völlig aufgelöst.
Warum bin ich doofe Kuh bloß eingeschlafen?! Oh Bast, wo bist du?
Tränen rannen ihr über die Wangen, als sie sich erschöpft auf die Knie sinken ließ. Gewissensbisse quälten sie und die Aussage ihrer Eltern und Freunde, sie sei eine miserable Mutter, kam ihr in den Sinn. Aber was in aller Welt sollte sie denn noch tun? Mehr als sich den Arsch aufreißen konnte sie schließlich nicht.
Reiß dich zusammen, Mädchen! Es hilft deinem Jungen nicht, wenn du jetzt durchdrehst!
Sie atmete ein paar Mal tief durch, raffte ihre sieben Sachen zusammen, und machte sich auf den Weg zur Polizei.
Dort angekommen klagte sie einem netten, gut aussenden Polizisten ihr Leid. Er machte ein Phantombild von Bastian und informierte seine Kollegen, die an den Strand fuhren. Eine Tauchergruppe sollte im Meer nach dem Jungen suchen, eine andere jeden Winkel vom Strand absuchen. Cathreen wurde nach Hause geschickt, wo die sich bereithalten sollte.
Widerwillig ging sie also zurück in ihre Wohnung und setzte sich, nahe dem Telefon, aufs Sofa. Es vergingen gerade mal fünf Minuten, als das Telefon klingelte. Und mit einem Satz war die junge Frau wieder auf den Beinen und hatte den Hörer in der Hand.
„Hallo!“
Schweigen.
„Hallo?! Wer ist da?!“
„Ich bin’s.“
„Ich, wer ist ich? Wer sind sie?“
„ich bin der Mann, der ihren Sohn entführt hat.“

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