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Am Ende aller Zweifel

Der Bus hielt an der Haltestelle und Eddie stieg mit den anderen Passanten ein. Er war 46 und Frührentner. Seine Frau war vor 15 Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen und seitdem verbrachte Eddie die meiste Zeit zu Hause. Doch heute war wieder einer dieser Tage, an dem das Ausgehen unumgänglich war.

Die Passanten warfen Eddie angewiderte Blicke zu. Schon seit Tagen hatte der ältere Mann sich weder gewaschen, umgezogen oder rasiert. Auch die Haare hatte er nicht gekämmt und Knoten hatten sich bereits darin gebildet.

Eddie setzte sich auf einen Platz am Fenster und sah die Landschaft vorüberziehen. Seine Augen fielen ihm zu und er sank in die Welt der Träume, wo schon jemand auf ihn wartete.

Er blickte in die leeren Augen seines Vaters, der für ihn seinen größten Albtraum darstellte und mit einem Messer auf ihn zuging.

Eddie schrie, doch sein Vater stach zu. Immer und immer wieder, bis sein Sohn aus unzähligen Wunden blutete. Dabei rief er unablässig:

„Du Sünder! Zum Teufel mit dir!“

„Mister?“

Eddie fuhr aus diesem schrecklichen Traum hoch. Der Busfahrer hatte ihn an der Schulter gerüttelt.

„Sie müssen aussteigen. Der Bus hält hier.“

„Ja gut, ist schon gut“, nuschelte Eddie, erhob sich aus seinem Sitz und torkelte nach draußen.

Er schlug den Weg in Richtung Spielplatz ein. Ein letztes Mal, dachte er. Nur noch einmal. Auch wenn es falsch war, er konnte diesem Drängen einfach nicht widerstehen. Um diese Uhrzeit waren immer Kinder auf dem Spielplatz. Eines ließ sich bestimmt finden, das mit ihm ging. Dann konnte er seine unstillbare, verzehrende Lust endlich befriedigen.

Ja, er war ein Sünder, ein Verdammter, das wusste Eddie. Und es gab nur eine Möglichkeit diesem Schicksal zu entfliehen. Die Waffe hatte er sich vor ein paar Tagen geholt. Ein schneller und einfacher Kopfschuss. Vielleicht würde er noch nicht mal etwas spüren.

Mit einem Lächeln auf den Lippen bog Eddie um die Ecke und sah den Spielplatz nun direkt vor sich. Kinder zwischen vier und sechs Jahren spielten vergnüglich an diesem Ort.

Nur noch einmal, dachte Eddie. Dann wird endlich alles vorbei sein.

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