Warum?

Dies ist eine Fanfiction zu dem Musical“Tanz der Vampire“. Die Inspiration für dieses Werk habe ich aus einemRollenspiel entnommen, wo ich mitgeschrieben habe.
Es ist eine kleine Vorgeschichte, die meinen Charakter und den des Grafen betrifft. Es hat aber nichts mit dem Musical an sich zu tun, und die Figur des Grafen habe ich mir natürlich nur ausgeliehen. *seufz*
Ich fürchte, dass diese Geschichte nicht ganz jugendfrei ist. Aber wenn ihr nichts gegen ein bisschen Erotik einzuwenden habt, dann lest sie doch bitte! Aber ich muss euch warnen. Das ist das erste Mal, dass ich so etwas schreibe!!!!!
Deshalb würde ich mich über jeden Kommentar zu meiner Geschichte freuen. Auch über konstruktive Kritik, positiv und negativ. Schließlich kann ich nur so wissen, was ich beim nächsten Mal besser machen kann. Für Grammatik und Zeichensetzungsfehler entschuldige ich mich schon mal im Voraus.
Noch eine letzte Warnung: Extrem viel Kitsch und Slash!
Nun viel Spaß beim Lesen!!!!!

Warum?
If I never knew you

Die Nacht war dunkel und kalt. Feiner Nieselregen fiel vom Himmel und durchnässte sie bis auf die Haut. Ihr Körper zitterte. Vor Kälte aber auch vor Gier nach Blut. Von einem unstillbaren Verlangen getrieben, durchsuchte sie die Umgebung. Doch bisher waren ihr nur kleinere Tiere über den Weg gelaufen, die nicht einmal ansatzweise ihr Verlangen hatten stillen können. Sie brauchte Menschenblut. Am besten das eines reinen und unschuldigen Wesens. Erst dann, so wusste sie, würde sie Ruhe finden. Jedenfalls für dieses Mal. Bis ihr Vorrat aufgebraucht wäre und sie sich erneut auf die Suche begeben müsste.
Aber daran dachte sie noch nicht. Alles was zählte war das Hier und Jetzt. Das Morgen oder die Zukunft gab es für ihresgleichen nicht. Es war auch so schon schwer genug, mit der Gegenwart klar zu kommen.
Sie blieb stehen und lauschte. Einen Vorteil hatte ihr Dasein. Ihre Sinne waren scharf wie die eines Tieres. Ein potentielles Opfer konnte sie bereits auf zehn Meilen Entfernung riechen und hören. Sie schloss die Augen, um sich mehr auf ihre anderen Sinne konzentrieren zu können. Ganz offensichtlich befand sich ein menschliches Wesen in ihrer Nähe. Es war weiblich. Sie konnte den leichten Duft von einem Pariser Damenparfüm wahrnehmen. Außerdem schien die Person hohe Schuhe zu tragen. Sie kam nur sehr langsam voran, was bei dem unebenen Waldboden kein Wunder war. Es erstaunte sie ein wenig, dass ein weibliches Wesen sich zu so später Stunde, es war fast Mitternacht, anscheinend allein in einen finsteren Wald wagte. Sie war zwar auch allein aber keineswegs wehrlos, schließlich gehörte sie schon seit langer Zeit einem anderen Schlag an.
Für einen Moment war sie am überlegen, ob sie der Frau entgegen gehen sollte. Doch sie entschied sich, nach kurzem Überlegen, dagegen. Sie würde viel leichter an ihre Beute herankommen, wenn sie das verängstigte kleine Mädchen mimte. Dieser Trick funktionierte fast immer. Das war auch so eine Sache, die sie mit den Jahren hatte lernen müssen. Wenn du nicht verhungern willst, dann musst du dir etwas einfallen lassen. Und da sie in ihrem weißen Leinenkleid und den weißen Stoffschuhen eh jung aussah, fiel ihr diese Masche nicht besonders schwer. Also setzte sie sich auf den harten nassen Waldboden und wartete.
Es vergingen keine zehn Minuten, als sie die Umrisse einer Gestalt vor sich erkennen konnte. Es war eine Frau, genau wie sie erwartet hatte. Eine sehr schöne Frau sogar. Sie trug ein elegantes Ballkleid und hatte die Haare zu einem Knoten hochgesteckt. Sie war tatsächlich allein, schien aber keine Angst zu haben. Im Gegenteil. Sie sang munter vor sich hin, ihre Umgebung gar nicht wahrnehmend. Auch das Mädchen, das bei Regen auf dem Waldboden hockte, entging ihr. Zeit also zu handeln.
Sie zog die Beine an den Körper, legte den Kopf auf ihre Knie und tat als würde sie weinen. Spätestens dann bekamen die Menschen Mitleid mit ihr.
Die Frau trat auf sie zu und berührte sie sacht am Arm, woraufhin sie wieder den Kopf hob. Ihr langes kastanienbraunes, vom Regen durch und durch feuchtes Haar, umrandete ihr schmales Kindergesicht und ließ es extrem blass wirken.
„Was hast du Mädchen? Was machst du zu dieser Stunde so allein im Wald? Du bist ja vollkommen durchnässt. Komm ich bring dich nach Hause!“
Sie streckte ihr die Hand entgegen und wollte sie auf die Beine ziehen. Das war ihre Chance. Anstatt sich von ihr hochziehen zu lassen, zog sie die Frau zu sich herunter. Sie sah noch ihren überraschten und verwirrten, zum Teil auch ängstlichen, Gesichtsausdruck, bevor sie ihre spitzen Zähne in den Hals der Frau schlug.
Ihr Blut war süß. Sie hatte lange nicht mehr so etwas Gutes bekommen. Schluck für Schluck kehrte die Kraft in ihren Körper zurück. Sie genoss dieses Gefühl der Macht, das sie dabei immer verspürte. Leider dauerte es nicht lange an, sondern wich nach dem letzten Tropfen fast sofort einer schrecklichen Leere. Eine Leere, die sie sich nicht erklären konnte. Aber manchmal hatte sie das Gefühl etwas zu verpassen. Ihr Leben, falls man ihr Dasein überhaupt so nennen konnte, konnte doch nicht nur aus töten bestehen. Zwar war es ein für sie lebenswichtiges töten, trotzdem widerte es sie in manchen Nächten mehr an als alles andere.
Vorsichtig löste sie ihren Mund vom Hals der Frau, deren Körper nun schlaff und leblos in ihren Armen hing, und legte ihn behutsam auf dem Waldboden ab. Das Blut tropfte von ihren Lippen und sie fuhr sich mit der Zunge darüber, um ja keinen Tropfen zu vergeuden. Dann begann sie die Frau ihres Kleides zu entledigen. Es gefiel ihr irgendwie. Es war blutrot, mit feiner Spitze und Pailletten besetzt. Vorne hatte es einen tiefen Ausschnitt und auch hinten wurde dem Auge des Betrachters viel Haut preisgegeben. Dann zog sie ihr eigenes Leinenkleid aus und das der Frau an. Es saß wie angegossen. Mit einem Mal kam in ihr der Gedanke auf, den Ball in der Stadt besuchen zu wollen. Es war lange her, dass sie das letzte Mal getanzt hatte. Vielleicht würden sie die Musik und der Tanz von der großen Leere in ihrem Inneren ablenken.

Eine Stunde später stand sie vor einem großen Haus, das am Rande der Stadt lag. Es war ihr bisher noch nicht aufgefallen, obwohl sie schon fast ein halbes Jahr in dieser Gegend verweilte. Normalerweise war ein so langer Aufenthalt für sie eher ungewöhnlich. Sie liebte die Anonymität und das viele Reisen sicherte ihr diese. Es war auch nur ein reiner Zufall gewesen, der sie hierher geführt hatte. Denn sie hatte nicht gewusst, dass in dieser Nacht zwei Bälle stattfanden. Ursprünglich hatte sie den Maskenball im Schloss besuchen wollen. Doch auf dem Weg dorthin war sie einem Mann begegnet, der genauso war wie sie. Sie hatte sich kurz mit ihm unterhalten und er hatte ihr diese Adresse zugesteckt. Zusätzlich dazu hatte er ihr die Information gegeben, dass hier ein Ball von ihresgleichen stattfand und jeder willkommen wäre.
Aus dem Inneren des Hauses hörte sie schöne Musik und Gelächter. Sie fragte sich, wie viele dort wohl versammelt waren. Sie hatte den Kontakt zu anderen immer gemieden. Ihrer Meinung nach würde ein zu enges Verhältnis mit einem anderen ihrer Art nur unnötige Schwierigkeiten mit sich bringen. ‚Futterneid’ nannte sie es gerne.
Sie hatte es sich gerade anders überlegt und wollte wieder umkehren, als die Tür des Hauses aufging und eine Gestalt heraus trat. Für einen Moment blieb sie am oberen Absatz der Treppe stehen, dann wandte sie sich ihr zu.
Es war ein sehr großer, sehr schlanker Mann. Sein pechschwarzes Haar hatte er zu einem Zopf zusammen gebunden. Sie mochte ihn auf Anhieb leiden, denn er war eine imposante Erscheinung. Nicht so wie die Männer, die ihr sonst immer über den Weg liefen. Besonders fasziniert war sie von seiner Ausstrahlung. Eine dunkle Aura umgab ihn. Eine Aura, die sie eigentlich hätte abschrecken müssen, ihn jedoch für sie unglaublich anziehend machte. Sie wurde unweigerlich in den Bann dieses Mannes gezogen, der nun von den letzten Stufen der Treppe zu ihr hinunter sah und dessen Blick auf ihr ruhte. Eine Gänsehaut überkam sie denn sie spürte, wie er ihren Körper mit seinen Augen förmlich abtastete. Er überwand die letzten Stufen und stand jetzt direkt vor ihr.
Der Regen hatte mittlerweile aufgehört und das Mondlicht bahnte sich seinen Weg durch die aufreißende Wolkendecke. Es fiel auf die zwei reglosen Gestalten, die sich gegenüberstehend, nicht den Blick voneinander lassen konnten. Es verwunderte sie, aber sie schien auf ihn genauso eine Anziehungskraft auszuüben wie umgekehrt. Oder bildete sie sich das bloß ein? Sie war noch zu unerfahren, um die ganze Bandbreite dieser Situation einschätzen zu können. Doch sie wusste instinktiv, dass nach dieser Nacht nichts mehr so sein würde wie zuvor. Ein mulmiges Gefühl, dass sie zuerst nicht einordnen konnte, dann aber als Angst interpretierte, ergriff Besitz von ihr. Hektisch und etwas unbeholfen, versuchte sie wieder etwas Abstand zwischen ihren und seinen Körper zu bringen. Dabei wich sie ein paar Schritte vor ihm zurück.
„Sie brauchen keine Angst vor mir zu haben. Mein Name ist Breda von Krolock und mit wem habe ich das Vergnügen?“
Seine Stimme klang tief und war genauso dunkel wie seine Erscheinung. Aber die Art wie er sprach, ließ in ihr das Gefühl von etwas unglaublich weichem berührt worden zu sein, zurück. Und dieses Gefühl ließ sie im tiefsten Inneren ihrer Seele erzittern. Es kostete sie unendlich viel Mühe ihren Blick von seinem zu lösen und wieder etwas Kontrolle über sich zu bekommen. Ihre Stimme war, trotz dem das sie aufgewühlt war, vollkommen ruhig als sie ihm ihren Namen nannte.
„Helena. Mein Name ist Helena.“
Ihre Antwort zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht und seine harten Gesichtszüge wurden weicher.
„Helena! Ein bezaubernder Name für eine bezaubernde Frau. Nun schöne Helena, würden sie mir die Ehre eines Tanzes erweisen?“
Mit diesen Worten deutete er zum Haus zurück und bot ihr gleichzeitig seinen Arm an.

Im Ballsaal wurde gerade ein langsamer Walzer gespielt, als Helena am Arm von Breda von Krolock den Saal betrat. Er führte sie auch sogleich auf die Tanzfläche, wo sich mehrere Paare zur Walzermelodie drehten.
Sacht umschlang er mit dem Arm ihre Taille, platzierte seine Hand auf ihrem nackten Rücken, was ihr abermals einen Gänsehautschauer verpasste und von ihm mit einem leichten Grinsen bedacht wurde. Ihre rechte Hand ruhte auf seinem Arm, die linke hielt Breda mit sanfter Bestimmtheit in seiner.
Dann begannen sie sich im Takt der Melodie zu bewegen. Er war ein guter Tanzpartner und sie hatte nichts, von dem was sie in den lange zurückliegenden Tanzstunden gelernt hatte, vergessen. Runde um Runde drehten sie durch den Saal. Und mit jedem Schritt zog er sie näher zu sich heran. Langsam, ganz allmählich, bis sich ihre Körper berührten.
Sie hatte das Gefühl zu schweben, gehalten von seinen starken Armen. Eng an ihn geschmiegt, den Kopf auf seiner Brust, genoss sie das Kribbeln, das sich in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Es war ein gänzlich neues aber sehr angenehmes Gefühl, dem sie sich jetzt ohne zu zögern hingab.
Nachdem sie ungefähr eine halbe Stunde ununterbrochen getanzt hatten, löste er sich von ihr. Ihre Blicke trafen sich abermals und diesmal konnte sie die Farbe seiner Augen erkennen, was ihr im Licht des Mondes draußen nicht möglich gewesen war. Sie waren stahlblau und glühten von einem inneren Feuer. Gleichzeitig waren sie aber auch tief und unergründlich, Augen in denen sie sich hätte verlieren können. Nein, in denen sich in dem Augenblick verloren hatte, wo sich ihre Blicke getroffen hatten. Und wenn sie ihm bis dahin noch nicht verfallen wäre, spätestens in diesem Augenblick wäre sie ihm halt – und rettungslos ausgeliefert gewesen.
Sie wusste nicht wie ihr geschah, doch plötzlich spürte sie seine weichen Lippen auf ihren. Wenn er ihren Mund nicht mit seinen Lippen geschlossen hätte, wäre ihr ein überraschter Laut entfahren. Auch zum Widerstand leisten blieb ihr keine Zeit, denn er nahm sie nun vollkommen für sich in Beschlag. Mit einem sanften aber bestimmten Ruck, zog er sie noch enger an sich. Seine weichen Lippen raubten ihr fast die Sinne und sein zärtlicher Kuss nahm ihr beinahe den Atem. Sie genoss diesen Kuss sehr. Langsam wich die Anspannung, welche sie trotz allem die ganze Zeit über empfunden hatte, aus ihrem Körper.
Als sich seine Lippen schließlich wieder von ihren lösten, entfuhr ihr ein leiser unwilliger Seufzer. Er lachte leise und streichelte ihr dabei über die Wange.
„So ungeduldig meine Hübsche?“
Helena fühlte sich ertappt, wich seinem stechenden Blick aber nicht aus. Sie konnte in seinen Augen lesen wie sehr er sie wollte. Und ganz offensichtlich machte ihm dieses Spiel Spaß.
Ohne die Hand von ihrem Rücken zu nehmen, führte er sie durch das Getümmel hinaus auf den Balkon. Durch den Regen hatte sich die Luft erheblich abgekühlt. Der Wind war stärker geworden und fuhr Helena immer wieder durch ihr dünnes Kleid, was sie zu einer List anregte, um ihm wieder nahe sein zu können. Sie fuhr sich mit den Händen über die Arme, als ob ihr kalt wäre. Natürlich empfanden Vampire weder die Kälte noch Wärme von außen und Breda wusste das mit Sicherheit so gut wie sie.
Er hatte sich an ihre rechte Seite gestellt, nahm ihre Geste mit einem abermaligen Grinsen zur Kenntnis und ging auch darauf ein, indem er hinter sie trat. Sanft legte er ihr die Arme um die Taille und hüllte sie so mit seinem Mantel ein. Sein herber männlicher Geruch stieg ihr in die Nase. Er erinnerte sie an den Geruch eines Waldes nach einem lauen und erfrischenden Sommerregen. Es war der Geruch von feuchter Erde, feuchtem Gras und nassen Bäumen. Helena mochte diesen Geruch. Sie liebte es, nach einem Regenschauer einen Waldspaziergang zu machen und den erfrischenden Duft einzuatmen.
Vielleicht war dies ein entscheidender Punkt dafür, dass sie sich in den Armen dieses Mannes so wohl fühlte. Umgeben von seinem Duft, dem Gefühl von Nähe, Geborgenheit und Sicherheit, hatte Helena das erste Mal in ihrem Leben das Gefühl zu Hause zu sein. Und schlagartig wurde ihr klar, wonach sie sich all die Jahre gesehnt hatte. Plötzlich kam ihr die Bedeutung dieser inneren Leere, die sie durch Blut versucht hatte zu stillen, zu Bewusstsein. Sie hatte sich danach gesehnt. Nach starken Armen die sie hielten und denen sie sich bedingungslos hingeben konnte. In den ganzen Jahren ihrer rastlosen Wanderungen war sie einem im Dunkeln liegenden Ziel hinterher gelaufen. Sie hatte sich in den weißen und schwarzen Künsten verstrickt. Hatte, in der unbewussten Hoffnung jemanden zu finden der sie verstand, ihre wirren Gefühle auf Papier gebracht. In Schrift aber überwiegend in Farben und Formen. Heute Abend, in den Armen von Breda, war sie endlich am Ziel ihrer Reise angekommen. Und egal was ab jetzt passieren mochte. Sie wusste, dass sie diesen Abend niemals vergessen würde.
Eine Zeitlang standen sie reglos und betrachteten den Sternenhimmel. Helena hätte in diesem Moment am liebsten die Zeit angehalten. Andererseits war da noch etwas, dass es zu erkunden und zu entdecken gab. Ihr Körper bebte bei dem Gedanken, von ihm in diese fremde faszinierende und zugleich auch beängstigende Welt eingeführt zu werden. Sie sehnte sich so stark danach, dass sie glaubte die innere Spannung, die sich wieder in ihr aufgebaut hatte, nicht mehr ertragen zu können. Ein inneres verzehrendes Feuer brannte in ihr und glich einem, vor dem Ausbruch stehenden, Vulkan. Sie löste sich aus den Armen Bredas, die sie umschlungen hielten, und drehte sich zu ihm herum.
Sein Blick richtete sich auf einen Punkt in weiter Ferne. Seine Augen wirkten plötzlich irgendwie leer und ausdruckslos. Helena konnte eine unendliche Trauer in ihnen erkennen. Einen Schmerz, der auch auf sie überzugehen schien, und ihr selbst fast körperliche Schmerzen bereitete. Sie fühlte sich ihm in diesem Moment so nah, sich mit ihm verbunden, als hätte diese Umarmung allein ein unsichtbares Band zwischen ihnen gewoben.
Mit der rechten Hand strich sie eine Haarsträhne aus seinem Gesicht. Dann begann sie langsam und vorsichtig mit beiden Händen die Konturen seines Gesichtes nachzuzeichnen. Immer wieder fuhren ihre Finger über seine Wangenknochen, die Stirn, berührten seine Lippen. Sein anfänglicher Widerstand schmolz mit jeder Berührung, die ihre Finger auf seinem Gesicht machten. Auch seine Augen gewannen allmählich ihren Glanz zurück und die Leere wich wieder der tiefen Unendlichkeit, die Helena so in ihren Bann zog. Ein zaghaftes entschuldigendes Lächeln huschte kurz über sein Gesicht. Helena hielt in der Bewegung ihrer Finger inne und sah ihn fragend an, doch er schüttelte nur den Kopf.
„Später.“
Er nahm ihre Hände von seinem Gesicht und hauchte einen kleinen Kuss auf jede ihrer Fingerspitzen. Helena schloss die Augen und gab sich dieser unendlich sanften Berührung hin. Ein Schaudern durchlief ihren Körper. Sie musste ein wohliges Seufzen unterdrücken, das sich seinen Weg bahnte. Sie öffnete ihre Augen auch nicht, als er ihre Hände um seinen Hals schlang, sie hochnahm und auf der Brüstung des Balkons absetzte.
Abermals trafen sich ihre Lippen und verschmolzen zu einem innigen Kuss. Diesmal war die Spannung, welche sich zwischen ihnen aufgebaut hatte, fast greifbar. Aus der innigen zärtlichen Berührung ihrer Lippen, wurde schnell ein vor Leidenschaft und unterdrücktem Verlangen sprühender Kuss.
Niemals zuvor hatte Helena etwas vergleichbares erlebt. Seine weichen Lippen, die sich immer wieder von ihren lösten und sie damit mehr und mehr lockten, versprachen ihr die Erfüllung all ihrer Träume, Wünsche und Sehnsüchte. Sie wollte nicht das es aufhörte, wollte mehr von diesem Lebenselixier kosten.
Vorsichtig öffnete sie ihre Lippen ein klein wenig, um seiner Zunge Einlass in ihr Reich zu gewähren. Breda kam dieser Aufforderung auch sofort nach und ihre Zungen begannen zärtlich miteinander zu spielen. Sie beließ es jedoch nicht dabei sich nur von ihm locken und verführen zu lassen, sondern kehrte es ins Gegenteil um, was ihm ein kehliges Stöhnen entlockte. Er blieb allerdings auch nicht passiv. Eine Hand auf ihrem Rücken, um sie zu stützen, fing er an sie mit der freien rechten Hand zu streicheln. Doch wie Helena zuvor, begnügte er sich nicht mit ihrem Gesicht. Langsam ließ er seine Finger erst ihren Hals hinabwandern, strich ihre linke Körperseite hinab und platzierte diese Hand ebenfalls auf ihrem Rücken. Dann schickte er seine andere Hand auf die Reise ihren Rücken hinauf bis zu ihrem Haaransatz. Dabei hinterließ er eine heiße Spur auf ihrer nackten Haut, die entweder einen heißen oder einen kalten Schauer durch ihren Körper jagte.
Das Spiel wurde von Sekunde zu Sekunde intensiver. Die Lust schien beide hinwegzuspülen. Der Ball war vergessen und an tanzen schon lange nicht mehr zu denken. Helena hätte sich ihm jetzt hier und sofort hingegeben, wenn er sich nicht ein zweites Mal von ihr gelöst hätte. Genau wie sie musste er sich eindeutig beherrschen. Ein gieriger Blick, fast wie der eines Raubtieres, lag in seinen Augen.
Helena hörte ihn ein paar Mal tief durchatmen, bevor sich ein charmantes und verführerisches Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete.
„Es wäre mir eine Freude, wenn du mich in meine Unterkunft begleiten würdest.“
Seine Worte klangen ehrlich und wenn sie von der Situation absah, kamen sie einer harmlosen Einladung zum Tee gleich. Natürlich wusste sie, dass er sie sicherlich nicht mitnahm, um mit ihr zu reden. So unerfahren war sie im Umgang mit Männern dann doch nicht.
Sie willigte trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, in sein Angebot ein.

Nach einer Dreiviertelstunde Fußmarsch standen sie vor einem großen Gebäude. Der Weg war länger gewesen, als sie vermutet hatte. Breda hatte sie nicht in Richtung der Stadt zurück geführt, sondern war mit ihr über Schleichwege in die benachbarte Stadt gewandert.
Das Gebäude vor dem sie nun standen, erinnerte Helena an ein Theater. Aber sie verwarf diesen Gedanken schnell wieder. Was sollten sie um diese Uhrzeit in einem Theater, noch dazu in einem seit Jahren verlassenen wie es aussah. Umso mehr überraschte es sie, als sie tatsächlich durch einen Hintereingang ins Gebäude eintraten.
Es ging ein paar morsche Stufen hinauf, an deren Ende sich eine schlichte Holztür befand.
Das Zimmer, das sie betraten, erinnerte Helena im ersten Moment an ein Museum oder um es weniger schön zu formulieren, an eine Rumpelkammer. Allerlei Kleinkram stapelte sich an den Wänden, von Kitsch bis Kunst. Das einzige, worauf offensichtlich großen Wert gelegt wurde, waren die vielen, meist sehr alten und antiquen Bücher. In der Mitte des Raumes waren eine Matratze und eine Decke ausgebreitet.
„Willkommen in meiner bescheidenen Unterkunft.“
Ja, bescheiden war sie wirklich, ganz anders als Helena es erwartet hatte. Schließlich wirkte Breda nicht wie ein armer Schlucker. Er hatte auf sie von Anfang an eher wie ein Mann von Adel und guter Herkunft gewirkt.
„Das bin ich auch nicht. Aber ich ziehe dieses Versteck bei weitem jedem bequemen Gasthaus vor.“
„Du hast meine Gedanken gelesen.“
„Das war keine Frage.“
„Nein, es war eine Feststellung.“
Es überraschte sie auch keineswegs. Sie hatte gleich gespürt, dass seine Aura viel Macht ausstrahlte. Und viele ihrer Art, die viel Macht besaßen, konnten Gedanken lesen. Es war sozusagen das erste, was ein Meister seinem Schüler beibrachte. Helena selbst konnte ein wenig Gedanken lesen, jedoch nicht sehr gut.
„Hast du die ganze Zeit über meine Gedanken gelesen?“
Die Vorstellung, er hätte ihre ganzen wirren Gefühle mitbekommen, behagte ihr nicht besonders.
„Nein, keine Sorge“, beruhigte er sie. „Das war auch gar nicht nötig“, fügte er mit einem Schmunzeln hinzu, das Helena beschämt den Kopf sinken ließ. Aber zum beleidigt sein war jetzt keine Zeit. Ihr Blick wurde, schon seit sie das Zimmer betreten hatte, von den Büchern wie magisch angezogen. Das geschriebene Wort übte einen besonderen Reiz auf sie aus.
„Darf ich?“
„Nur zu!“
Breda setze sich auf einen Korbstuhl, der in einer Ecke des Zimmers stand, und beobachtete Helena, die sich vorsichtig im Schneidersitz vor den Büchern niederließ, mit einem warmen Lächeln auf den Lippen.
Zuerst ließ er sie eine Weile mit diesen Schätzen alleine, dann erhob er sich und setzte sich, ebenfalls im Schneidersitz, neben sie.
Aus Helenas Augen sprach eine Freude, die ihn tief zu berühren schien. Lächelnd nahm er ihr das Buch, welches sie gerade in der Hand hatte, ab und schlug es an einer bestimmten Seite auf. Langsam und leise fing er, mit seiner angenehmen Stimme, an zu lesen.
Das Buch erzählte von fernen Ländern und tollkühnen Abenteuern. Der Gedanke, dass sich der Mann neben ihr für derlei Geschichten interessierte, ließ sie unwillkürlich Grinsen. Aber dieser Gedanke hinterließ auch einen leichten Wehrmutstropfen auf ihrer Seele.
Sie musste plötzlich an die Zeit, bevor sie ein Vampir war, denken. Eine einzelne blutige Träne bahnte sich einen Weg ihre Wange hinab, als sie an ihre Freunde dachte, die sie seit jenem schicksalhaften Tag nicht mehr gesehen hatte. Auch der rege Briefkontakt war mit den Jahren abgebrochen.
Plötzlich fühlte Helena sich unendlich allein. Die angenehme Nähe von Breda verblasste für einen Augenblick neben diesen traurigen Gedanken. Sie vergingen allerdings so schnell wieder, wie sie gekommen waren. Was hatte sie sich schließlich noch geschworen, als sie dieses Leben begann? Nur das Hier und Jetzt zählt. Es bringt nichts, sich über das Gestern oder Morgen Gedanken zu machen.
Sie rückte näher an Breda heran, der den Arm um sie legte, und kuschelte sich an ihn. Das Gefühl von Geborgenheit kehrte zurück und mit einem leisen Seufzer schloss sie die Augen.
Bredas tiefe wohlklingende Stimmer erfüllte den Raum und berührte sie in ihrem Inneren. Die Zeit verging wie im Flug und sie öffnete erst wieder die Augen, als sie eine Uhr, ganz in der Nähe, dreimal leise schlagen hörte.
Prüfend blickte Helena sich um. Der Raum hatte sich verändert, sie sah ihn jetzt anders. Aus der Rumpelkammer war ein gemütliches kleines Zimmer geworden, das Geborgenheit, Sicherheit und Wärme ausstrahlte. Aber schließlich war es ja auch sein Zimmer, sein kleines Reich, das er mit ihr teilte. Und Helena hoffte, betete inständig darum, dass er es nicht nur für diese Nacht mit ihr teilen würde.
Als sie aus ihren versunkenen Gedanken zurückkehrte bemerkte sie die Stille, die sich im Raum ausgebreitet hatte. Breda hatte aufgehört zu lesen. Das Buch lag zugeklappt auf seinem Schoß und er musterte sie von der Seite, was der besonderen Stille einen angenehmen erregenden Beiklang gab.
Sie kniete sich vor ihn und reichte ihm ihre Hände, die er abermals mit kleinen sanften Küssen bedachte. Dann stand er auf und zog sie dabei mit sich.
Das Mondlicht fiel durch das kleine Dachfenster und zog einen Streifen über den Boden. In diesem Streifen Mondlicht stand Helena nun und sah Breda erwartungsvoll an. Dieser schien zuerst noch zu zögern und kurz kehrte der gequälte Ausdruck, den sie nicht verstand, in seine Augen zurück. Doch als er Helena betrachtete, wie sie vom Mondlicht beschienen vor ihm stand, sah sie darin nur noch Liebe, Zuneigung und ein schier unstillbares Verlangen.
Er fuhr mit seinen Händen über ihre Schultern und Arme und streifte dabei sanft die Träger ihres Kleides ab, das lautlos zu Boden fiel. Der Stoff, den sie darunter trug war so hauchzart, dass er ihre wohlgeformten Brüste deutlich erkennen konnte, als sein Blick sich von ihren Augen löste und hinabwanderte. Ein wenig fühlte Helena sich unwohl unter diesem Blick und sie hätte ihre Arme am liebsten vor der Brust verschränkt. Aber Bredas Reaktion auf das, was er sah, hielt sie davon ab.
Ein gieriger Blick trat in seine stahlblauen Augen, die vor Leidenschaft und unterdrücktem Verlangen glühten. Er schien beim Anblick ihres, fast enthüllten, Körpers keinerlei Scham zu empfinden. Und das nahm Helena ihre eigene Unsicherheit. Er wollte sie, dass konnte Helena deutlich sehen. Auch sie selbst wurde von einem bisher nie gekannten Verlangen erfasst, als sein Blick über ihre Brüste und zwischen ihre Beine wanderte. Seine Augen erforschten jeden Zentimeter ihres Körpers so intensiv, dass sie seine Hände an diesen Stellen zu spüren glaubte. Die Sehnsucht, sich ihm hinzugeben, stieg mit jeder Sekunde ins Unermessliche, bis sie es fast nicht mehr ertragen konnte.
So schnell sollte sie jedoch nicht von ihm erlöst werden, ganz im Gegenteil. Es bereitete ihm offenbar Freude, ihre ansteigende Lust noch weiter zu treiben. Denn anstatt dem Verlangen, das er auch in ihren Augen sehen konnte und welches sich ebenso in seinen spiegelte, nachzugeben, bemühte er sich die Spannung aufrecht zu erhalten. Langsam, wie ein Raubtier auf Beutefang, schlich er um sie herum und stellte sich ganz dicht hinter sie.
Helena sog scharf die Luft ein. Sie konnte seinen Atem in ihrem Nacken und die leichte Beule, die sich in seiner Hose gebildet hatte, spüren.
Er umschlang sie mit seinen Armen, fuhr mit seinen Händen unter den überflüssigen Stoff und legte die Hände auf ihren nackten Bauch. Mit sanften kreisenden Bewegungen, streichelte er sie mit seinen Fingern. Wo eben noch seine Augen geruht hatten, waren nun seine Hände. Mit sanftem Druck massierten sie Helenas empfindliche Stellen, was sie zum Keuchen brachte. Ihr Brustkorb hob und senkte sich immer schneller, je öfter seine Hände darüber fuhren. Ihre eigenen Hände hatte sie mittlerweile in seine Hosenbeine gekrallt, um sich von ihrer Lust nicht gleich überschwemmen zu lassen. Ihr schneller Atem ging synchron zu seinem, den er ihr weiterhin in den Nacken pustete. Sie stand bereits jetzt schon am Abgrund ihrer Lust, doch er ging noch einen Schritt weiter und ließ eine seiner liebkosenden Hände in ihren Slip gleiten, wo sie Helena weiter erforschten.
Schauer um Schauer durchlief ihren bebenden Körper. Sie konnte an nichts anderes mehr denken als an ihn. Es gab in diesem Moment keine Angst, keine Zweifel in ihr. Es war richtig was sie taten. Ein Zurück gab es ohnehin nicht mehr.
„Bitte!“, flehte sie ihn an. Mehr brachte sie nicht mehr heraus.
Und endlich schien Breda ihrem Sehnen nachzukommen. Rasch zog er ihr von hinten den Slip, so wie ihr Unterkleid aus. Dann dirigierte er sie zur Matratze am Boden, die nun vollends vom Mondlicht beschienen wurde.
Helena legte sich mit dem Rücken auf die Matratze und behielt ihn dabei im Auge. Während er begann sich langsam und genüsslich das Hemd aufzuknöpfen fuhr sie mit dem fort, womit er gerade aufgehört hatte. Als Breda das sah, hielt er kurz in seinem Tun inne. Sein Blick folgte gierig Helenas linker Hand, die in ihren warmen feuchten Schoß wanderte und sich selber streichelte. Er musste hart schlucken. Schnell öffnete er die letzten Knöpfe seines Hemdes, das auf den Boden fiel, und machte sich danach an seiner Hose zu schaffen. In Rekordzeit war auch diese ausgezogen und Helena konnte endlich seinen Köper bewundern. Seine Haut war genauso blass wie ihre und schimmerte genau wie diese im Mondlicht leicht silbern.
Breda war, wie Helena es erwartet hatte, sehr gut gebaut. Sein Körper war wohl proportioniert und die Haut makellos glatt.
„Komm!“
Helena richtete sich ein wenig auf und hielt ihm ihre rechte Hand hin. Die linke ruhte noch immer in ihrem Schoß. Einen Augenblick schien er zu überlegen. Aber der Versuchung, der Verlockung, die sie so darstellte, konnte er nicht widerstehen.
Sie nicht aus den Augen lassend, kam er gemächlich auf die Liegestatt zu. Jede noch so kleine Regung Helenas sog er förmlich in sich auf. An der Matratze angekommen, kniete er sich am Rand nieder. Helena hatte sich mittlerweile auf ihre Ellbogen abgestützt und sah ihn erwartungsvoll an. Ihr Blick sagte mehr, als es Worte hätten tun können. Sie vertraute ihm und hatte nur noch einen Wunsch. Sich mit ihm zu vereinen!
Breda entledigte sich des letzten Kleidungsstückes, bevor er sich zu ihr legte. Wieder ließ er seine Augen und Hände über ihren Körper gleiten. Seine Lippen suchten und fanden Helenas, die ihn gierig empfingen.

Es war ein Spiel. Ein Spiel, wie Helena noch keines gespielt hatte. Ein Spiel bei dem es nicht darum ging jemanden zu besiegen, sondern ein Spiel, das aus gegenseitigem Geben und Nehmen bestand. Und in diesem Moment spürte sie die unglaubliche Kraft, die sie aus dieser Verbindung schöpfen konnte. Sie löste sich aus dem innigen Kuss, der sie verband, und sah ihm tief in die Augen.
Breda, der bis dahin neben ihr gelegen hatte, kam der Aufforderung ihres Blickes nach. Seine Hand fuhr mit leichtem Druck über ihre Brüste, wobei seine Finger die harten Brustwarzen umkreisten. Helena konnte nur mit Mühe ein Stöhnen unterdrücken. Stattdessen entfloh ein leiser Seufzer ihren halb geöffneten Lippen. Die Augen geschlossen haltend genoss sie das Gefühl, das Bredas Hände auf ihrer Haut hinterließen. Als sie eine seiner Hände jedoch in ihrem warmen Schoß spürte, konnte sie ein lautes Keuchen einfach nicht unterdrücken. Hinzu kam, dass Breda seinen Körper ganz eng an ihren gedrückt hatte und sie seine Erregung deutlich fühlen konnte.
„Bitte!“, flehte sie ihn noch einmal an.
Er legte einen Finger unter ihr Kinn und drehte ihren Kopf in seine Richtung, wie um sich ein letztes Mal von ihr die Bestätigung zu holen. Sie gab sie ihm, indem sie ihn ganz sacht küsste und ihm half, sich auf ihr zu platzieren.
Als Breda in sie eindrang, durchfuhr ein Blitz ihren gesamten Körper. Die Beine um ihn geschlungen, krallte sie die Finger in das nackte Fleisch seines Rückens. Langsam, Stoß um Stoß nahm er sie in Besitz und füllte sie vollkommen aus. Helena genoss es, ihn in sich zu spüren, passte sich den Bewegungen seines Körpers an. Dabei überließ sie sich ganz und gar seiner Führung. Breda schien alles in sich zu vereinen. Die Weisheit und Erfahrung des Alters, paarte sich mit der Leidenschaft und Hingabe der Jugend. Er war sowohl bestimmend und fordernd, als auch zärtlich und einfühlsam. Ihre beider Körper harmonierten perfekt miteinander und Helena hätte nicht sagen können, wo ihr Körper aufhörte und seiner begann. Die Lust trug sie nun vollends davon. Sie versank im Meer der Gefühle und der Ekstase. Schneller als gedacht und von ihr gewollt, hatte sie den Höhepunkt ihrer Lust erreicht. Noch ein letztes Mal krallte sie ihre Finger in seinen Rücken, während sich ein erlösender Schrei den Weg über ihre Lippen bahnte. Wie von weitem hörte sie, dass auch Breda einen Schrei der Erlösung nicht unterdrücken konnte, als er sich in sie ergoss.
Die Stille, die nun folgte, war so perfekt wie der Liebesakt zuvor. Denn sie war erfüllt von ungesagten Worten, die gar nicht ausgesprochen werden mussten.
Helena hatte ihren Kopf auf Bredas Brust gebettet und fuhr mit ihren Fingern leicht über seine makellose Haut. Er hingegen streichelte ihren nackten Arm und spielte gedankenverloren mit einer ihrer Haarsträhnen.
Lange Zeit verharrten sie regungslos in dieser Position. Dann richtete Helena sich langsam auf, um in seine Augen sehen zu können. Ein leiser Zweifel nagte auch jetzt noch an ihr. Würde er sie nach dieser Nacht wieder von sich weisen? Aus einem Impuls heraus sprach sie die Worte aus, welche ihr während ihres gesamten Zusammenseins auf den Lippen gelegen hatten.
„Ich bin dein!“, flüsterte sie mit leiser Stimme.
Bredas Reaktion auf diese Worte war ein Lachen. Es war so leise und leicht, dass der Wind es an ihrem Ohr vorbei in die Nacht trug. Die Lippen an ihrem Ohr hauchte er:
„Nein, du gehörst niemandem meine Schöne, nur dir selbst! Das darfst du niemals vergessen, denn im Herzen bist du frei!“!
„Heißt das, ich werde dich wieder verlieren?“
Allein der Gedanke daran schmerzte sie so sehr, dass sie kaum Luft bekam. Ihr Herz schlug hart in ihrer Brust, während sie gespannt auf seine Antwort wartete.
„Wer weiß? Das Leben hat es so an sich uns die Menschen zu nehmen, an denen wir hängen!“
Da war sie wieder, diese unendlich traurige und von Schmerzen gepeinigte Stimme.
„Aber egal was passiert, diese Nacht schenke ich nur dir!“
Er küsste sie sanft erst auf die Stirn und dann auf die Lippen, bevor er die Liegestatt verließ und zum Fenster ging. Erst jetzt fiel Helena auf, dass es keinen Sarg in diesem Raum gab. Aber wo verbrachte er den Tag? Die Sonne würde bald aufgehen.
Auf leisen Sohlen schlich sie zu ihm, umschlang ihn mit den Armen und legte die Hände auf seine Brust. Sie spürte die Kälte des unsterblichen Lebens unter ihren Fingern.
„Bleiben wir hier?“
Helenas Stimme war nur ein Flüstern. Sie wollte diese vollkommene Stille nicht zerstören, die sie weiterhin umgab.
„Ja“, antwortete er ebenso leise. „Ich habe mir für dieses Zimmer spezielle Vorhänge anfertigen lassen. Sie sind absolut lichtundurchlässig!“
Er drehte sich zu ihr um und lächelte sie mit einem warmen Ausdruck in den Augen an. Dann kehrten beide zur Matratze zurück. Eng aneinandergekuschelt schliefen sie seelenruhig bis zum nächsten Sonnenuntergang.

In den darauffolgenden Nächten lernte Helena Breda von Krolock immer besser kennen. Und je mehr sie von ihm erfuhr, desto größer wurde ihre Liebe zu ihm und der Wunsch, bei ihm zu bleiben. Außerdem hatte er sie von ihren Ketten befreit und damit etwas geschafft, was sie keinem Wesen, sterblich oder unsterblich, jemals zugetraut hätte! So lange sie bei ihm war, spürte sie die erdrückende Leere in ihrem Inneren kaum noch. Eine schöne Nacht folgte der nächsten. Ob sie nun lange gemeinsame Spaziergänge unternahmen, gemeinsam jagen gingen, ein gutes Buch lasen, sich unterhielten oder einfach nur die wohltuende Nähe des anderen genossen, alles das war für Helena eine Bereicherung ihres Lebens!
Doch etwas gab es, dass ihre Beziehung zueinander belastete. Sie wusste jetzt fast alles von ihm und auch sie hatte ihm ihre Lebensgeschichte erzählt. Sowohl ihr sterbliches, wie auch ihr unsterbliches Leben hatte sie ihm bedingungslos offenbart. Aber trotzdem konnte sie in manchen Nächten die unglaubliche Kluft zwischen ihnen spüren. Und immer wieder musste sie an ihre erste gemeinsame Nacht und an seine, in die Leere gehenden, Augen denken. Ganz offensichtlich gab es einen Teil seines Lebens, über den er nicht mit ihr sprechen wollte. Warum das so wahr, fragte Helena sich Nacht für Nacht. Hatte sie ihm je einen Grund geliefert ihr nicht zu vertrauen? Es fiel ihr schwer, sich damit abzufinden. Sie wollte ihren Liebsten nicht leiden sehen, denn es bereitete ihr selbst fast unerträgliche Schmerzen. Ihn direkt darauf anzusprechen traute sie sich jedoch nicht. Also wartete sie ab und litt stumm mit ihm. Sie wusste, dass es nichts brachte in ihn zu dringen. Denn dann hätte er sie gewiss von sich gestoßen.
Es vergingen fast zwei Wochen, bis Helena der Zufall zu Hilfe kam und sich das letzte Geheimnis ihres Geliebten vor ihr lüftete.
Seit fast zwei Wochen war sie bereits Gast in Bredas Unterkunft. Er teilte sein Reich gern mit ihr, das beteuerte er ihr wieder und wieder. Er ließ sie in seinen Sachen stöbern und wenn sie zusammensaßen erzählte er ihr viel über das Haus in dem sie sich befanden. Wie Helena zu Anfang vermutet hatte, war es ein verlassenes Theater. Früher hatten die Bewohner der nahegelegenen Stadt sich hier oft getroffen, um gemeinsam Schauspiele einzustudieren oder um zu musizieren.
„Ich habe es geliebt hier oben in meiner Kammer zu sitzen und ihnen zuzuhören.“
Bei solchen Geschichten huschte dann immer ein verträumtes Lächeln über seine Gesichtszüge.
Auch in dieser Nacht, die sie wie die Nächte zuvor zusammen verbrachten, lernte Helena einiges über die “alte Stadt“ und ihre Bewohner. Diesmal hatte Breda sie zu einem großen Platz geführt. In der Mitte des Platzes stand ein gewaltiger Springbrunnen, auf dessen Rand sie sich niederließen.
Eine Weile waren sie in ein angeregtes Gespräch vertieft das jedoch abrupt endete, als Breda am anderen Ende des Platzes ein junges Liebespaar bemerkte. Die Frau war schwanger. Seine Miene versteinerte sich und er stand auf, um zu gehen. Aber Helena hielt ihn zurück. Sie legte ihm behutsam die Hand auf den Oberarm. Breda reagierte auf diese Berührung sehr ungehalten und stieß sie so grob von sich, dass sie das Gleichgewicht verlor und auf dem Boden landete. Von da aus sah sie, überrascht und gekränkt, zu ihm hoch. Er hatte den Blick von ihr abgewandt und vermied es, ihr in die Augen zu sehen.
In diesem Moment wurde Helena schlagartig bewusst, wie wenig ihre Liebe zu diesem Mann wert war. Sie konnte ihm nicht das geben, was er brauchte. Sie wusste das, und er wusste es ebenso!
Von Schmerzen gepeinigt, die allerdings nicht körperlicher Natur waren, rappelte sie sich schließlich wieder vom Boden hoch. Langsam überquerte sie den Platz, das junge Liebespaar war inzwischen verschwunden, und machte sich auf den Weg zu ihrer eigenen Unterkunft. Eine leise Hoffnung keimte noch in ihr, dass er sie zurückholen würde, doch sie wurde enttäuscht. Sie spürte zwar seine Blicke im Rücken aber er machte keine Anstalten, sie aufzuhalten.
Also wanderte Helena den ganzen Weg zurück, den sie mir Breda zusammen gegangen war, und darüber hinaus. In dem Wald, in dem sie die Frau getroffen hatte, genehmigte sie sich wieder ein Opfer, diesmal einen kleinen Jungen der sich verlaufen hatte, und kam unbehelligt an ihrem Versteck an, das neben einer Ruine lag. Dort buddelte sie sich in den Erdboden und verbrachte die Stunden des Tages diesmal ohne die trostspendende Nähe Bredas.
Als sie dann wieder zur Abenddämmerung erwachte, spürte sie blutige Tränen auf ihren Wangen. Energisch wischte sie diese ab. Sie hatte seit langem nicht mehr geweint und auch nicht vor, damit anzufangen. Doch Breda hatte ein gutes Stück ihrer äußeren Fassade durchbrochen und das verletzliche Wesen unter ihrer scheinbaren Herzlosigkeit zum Vorschein gebracht. Allein seine Anwesenheit hatte sie zu einem anderen Wesen gemacht und durch ihn hatte sie sich Ganz gefühlt, denn er hatte die Leere in ihrem Inneren zu füllen vermocht. Aber jetzt, da sie ihn verloren hatte, versuchte sie diese Hülle aus Kälte und Arroganz erneut aufzubauen.
Es fiel ihr schwer loszulassen, ihn gehen zu lassen. Auch wenn sie wusste, dass sie ihn gehen lassen musste. Halten konnte sie ihn nicht. Außerdem würde es ihnen beiden nur unnötige Schmerzen bereiten. Und sie wollte ihm nicht noch zusätzliche hinzufügen.
Deshalb schloss sie innerlich mit dem Thema Breda ab und bereitete sich auf den Aufbruch aus dieser Stadt vor. Hier bleiben wollte sie nicht. Zu viele Erinnerungen waren mit diesem Ort verbunden.
Ein letztes Mal ging Helena auf Jagd und genehmigte sich in dieser Nacht zwei Opfer, die sie bis auf den letzten Tropfen leer trank. Normalerweise tötete sie nur einen Menschen pro Nacht, doch das Gefühl der Leere war in dieser Nacht stärker als jemals in irgendeiner Nacht zuvor. Danach irrte sie, scheinbar ziellos, durch die fast leeren Straßen. Bis sie sich plötzlich vor dem, dem Zerfall preisgegebenen, Theater wiederfand. Ihre Füße hatten sie wie von selbst hierher getragen. Jetzt stand sie reglos davor und wusste nicht, was sie tun sollte. Der Drang hinein zu gehen um ihn zu sehen war ebenso stark wie der, wegzulaufen und vor ihm, sowie diesen Gefühlen, zu fliehen.
Die Entscheidung wurde ihr abgenommen, denn wie aus dem Nichts tauchte sein Schatten hinter ihr aus der Dunkelheit auf. Helena erschrak. Sie hatte sich immer noch nicht an sein plötzliches Auftauchen gewöhnt. Irritiert und etwas verunsichert wich sie ein gutes Stück vor ihm zurück. Breda, der dies mit einem leichten Stirnrunzeln zur Kenntnis nahm, schien von ihrer Anwesenheit an diesem Ort keineswegs überrascht zu sein. Offensichtlich hatte er mit ihrem Auftauchen gerechnet. War sie wirklich so durchschaubar? Nein, sie selbst hatte ja noch nicht einmal bewusst diesen Weg eingeschlagen. Dann war aber die einzige logische Erklärung, dass er sich ihrer sehr sicher war, was Helena gar nicht gefiel. Sie wollte nicht von ihm, von seiner Liebe, abhängig sein. Obwohl, war sie das nicht schon längst?
Breda durchbrach diesen Gedankengang, indem er ihre Hand nahm und an seine Lippen führte. Einen Augenblick verharrte er mit geschlossenen Augen in dieser Position, bis er seine Augen wieder öffnete und tief in die ihren blickte.
In Helena kämpften sehr widerstreitende Gefühle. Sie konnte die letzte Nacht, den Schmerz, den er ihr zugefügt hatte, nicht einfach vergessen und weiter machen wie bisher. Die Erkenntnis der letzten Nacht hatte sich tief in ihr eingebrannt. Es war besser jetzt die Notbremse zu ziehen, bevor es zu spät wäre. Doch sie konnte nicht, brachte keinen Ton heraus und ließ das Schicksal seinen Weg nehmen. Den Weg, der sie beide, oder zumindest Helena, ins Verderben stürzen würde!

„Setzt dich!“
Breda deutete auf den Korbstuhl in der Ecke. Er selbst ließ sich ihr Gegenüber auf dem Fußboden nieder. Die Vorhänge waren noch zugezogen, so dass das Zimmer in völliger Finsternis lag. Trotzdem wusste sie wo er saß, denn seine blauen Augen glühten in der Dunkelheit.
Helena hatte keine Ahnung was sie erwartete. Das Geschehen der letzten Nacht hing noch immer wie ein Damoklesschwert über ihnen, was sie nervös und unruhig machte. Von der Geborgenheit seiner Nähe war nun nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil, er strahlte eine unglaubliche Kälte aus, die sie erzittern ließ.
Er selbst schien dies jedoch nicht zu merken. Seine Augen gingen, wie sie es mittlerweile schon von ihm kannte, ins Leere. Aber dann begann er mit leiser schleppender Stimme zu erzählen. Zuerst stockend und zögernd, doch je länger er sprach, desto fester wurde seine Stimme und er suchte des öfteren mit seinen Augen Helenas Blick. Ein paar Mal sah sie darin sogar Tränen glitzern.
Es dauerte fast die ganze Nacht, bis Breda endlich verstummte und die Stille in den kleinen Raum zurückkehrte.
Einer inneren Regung folgend stand Helena auf, kniete neben ihm nieder und zog ihn in ihre Arme, sodass sein Kopf an ihrer Brust gebettet lag. Sie war zutiefst berührt, denn er hatte den allerletzten Schritt getan. Und für Helena war dies nicht nur ein Beweis seiner Liebe, sondern auch, und gerade das empfand sie als wohltuend, ein Beweis seines Vertauens. Jetzt konnte sie ihn verstehen, seine Worte, die gesagten und ungesagten, einordnen. Das Schicksal hatte es mit diesem Mann nicht gut gemeint und ihm schon einmal das Wichtigste in seinem Leben genommen. Die schwangere Frau hatte ihn offensichtlich zu sehr an seine eigene Frau erinnert, die umgebracht worden war. Dann gab es eine simple Erklärung für seinen Ausbruch. Es hatte nichts mit ihr zu tun gehabt, sondern es hatte einzig und allein an der Situation an sich gelegen.
Doch auch wenn sie spürte, dass er sich wieder beruhigt hatte, blieb ein bitterer Nachgeschmack in ihr zurück.
Trotzdem verließ sie drei Tage später zusammen mit ihm die Stadt und sie machten sich auf den Weg nach Transsylvanien. Breda hatte Helena darum gebeten, ihn auf sein Schloss zu begleiten. Zuerst hatte sie gezögert, aber alle ihre Einwände und Bedenken hatte er zu zerstreuen gewusst. So blieb ihr nichts anderes übrig, als seiner Bitte nachzukommen.
Breda hatte vorgeschlagen, die ’übliche’ Form des Reisens zu verwenden. So hatten sie Gelegenheit sich noch einige andere interessante Städte anzusehen.
Helena genoss diese Reise sehr, denn endlich konnte sie einmal einige der Städte besuchen, die sie bisher nur aus ihren Büchern kannte!
Insgesamt dauerte ihre Reise fast drei Wochen, bis sie seine Heimat erreichten. Den Rest des Weges legten sie auf seine Weise zurück.
Am Schloss wartete bereits sein treuer Diener auf die beiden. Er schien über die sichere Heimkehr seines Herrn sichtlich erfreut zu sein. Vor Helena selbst machte er eine tiefe Verbeugung, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschte, dass er sie misstrauisch beäugte. Unwillkürlich stellte sie sich die Frage, wie viele Frauen er wohl schon mit hierher genommen hatte. Beschloss dann aber, es lieber nicht wissen zu wollen!
Sie sah ihren Geliebten von der Seite an und bestaunte wieder einmal sein markantes männliches Profil. Er schien dies zu bemerken, und warf ihr seinerseits ein charmantes Lächeln von der Seite her zu.
Nachdem er sich ausgiebig mit seinem Diener, in einer für Helena unbekannten Sprache, ausgetauscht hatte, brachte er sie persönlich auf ihr Zimmer.
„Meinen Sarg wirst du wohl nicht mit mir teilen wollen“, meinte er mit einem leichten Grinsen, als er die Tür öffnete. Er kannte ihre Abneigung gegen Särge und wusste, dass sie sogar seiner Nähe ein bequemes Bett vorzog.
„Du kannst mich ja besuchen kommen!“
Auch sie konnte sich ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen.
„Das werde ich!“
Bei diesen Worten schlang er die Arme um ihre Taille und hauchte ihr einen Kuss in den Nacken. Gleichzeitig bugsierte er sie mit sanfter Gewalt zum Bett, auf dem sie sich niederließen.

Sanft von Bredas Armen umfangen, erwachte Helena nach einigen Stunden wieder. Ein Traum, an den sie sich nicht erinnern konnte, hatte sie aufgeweckt.
Ihrem Zeitgefühl nach, war die Sonne noch nicht untergegangen. Trotzdem war es stockfinster im Zimmer, natürlich nicht zu finster für ihre Vampiraugen. Und da sie sich nicht mehr besonders müde fühlte, stand sie auf.
Sie zog sich ihr Kleid über und unterzog das Zimmer dann einer gründlichen Musterung. Zuerst fiel ihr Blick auf die schweren schwarzen Vorhänge. Offensichtlich waren sie aus dem gleichen Stoff gefertigt wie die Vorhänge in seinem Quartier, denn sie schirmten das Zimmer vollkommen von der todbringenden Sonne ab.
Von den Vorhängen ließ sie den Blick über die Frisierkommode, das bequeme Sofa mit dem kleinen Tischen davor, bis hin zum Kleiderschrank wandern. Langsam trat sie an diesen heran und zog die Türen auf. Ein kleiner überraschter Aufschrei entfuhr ihr, als ihr die Kleiderpracht entgegenfunkelte.
„Ist etwas nicht in Ordnung Liebes?“
Breda, von ihrem Schrei aus dem Schlaf aufgeschreckt, erhob sich im Bett halb in eine sitzende Position und sah sie an.
„Nein, nein es ist alles in Ordnung!“
„Ich habe Koukol gebeten, das Zimmer nach meinen Wünschen für dich herzurichten. Ich hoffe es gefällt dir!“
„Ja, es gefällt mir sehr gut.“
Sie setzte sich zu ihm auf die Bettkante und ließ es zu, dass er sie sanft küsste. Ihr gefiel dieses Zimmer wirklich aber sie hatte auch das Gefühl, mit Inbesitznahme dieses Zimmers ein Stück ihrer Freiheit aufzugeben.
Wieder ergriff sie ein mulmiges Gefühl, welches sie jedoch schnell wieder von sich schob. Stattdessen intensivierte sie den Kuss, setzte sich rittlings auf ihn und fuhr mit ihren Händen über seine nackte Brust.
Erneut gaben beide sich einander hin und schliefen dann noch bis nach Mitternacht ruhig und friedlich.
Nach dem Aufwachen begann Helena damit das Schloss zu erkunden, womit sie die nächsten Nächte zubrachte. Dabei lernte sie auch Bredas Sohn Herbert kennen, mit dem sie sich auf Anhieb gut verstand. Am meisten faszinierte sie natürlich die große Bibliothek und in den darauffolgenden Jahren hielt sie sich oft stundenlang darin auf. Besonders als die Differenzen mit Breda immer größer wurden, war dies ihr Zufluchtsort.
Zu Anfang führte Helena an der Seite Breda von Krolocks allerdings ein sehr erfülltes und zufriedenes Leben. Breda gab sich alle Mühe ihr die Welt zu Füßen zu legen.
Doch schon bald lernte die Vampirin einen weiteren, negativen, Aspekt der Liebe kennen. Die Eifersucht. Denn sie wollte diesen Mann ganz für sich allein und die Tatsache, dass seine Opfer ausschließlich weiblicher Natur waren, machte ihr schwer zu schaffen. Zu sehr fürchtete sie er könne das Interesse an ihr verlieren und sich einer dieser hübschen Frauen zuwenden. Und diesen Gedanken fand Helena unerträglich.
Breda beteuerte zwar sie wäre die Einzige für ihn, aber mit den Jahren wurden ihre Streitereien über dieses Thema immer schlimmer und arteten sogar darin aus, dass sie Schläge von ihrem Geliebten einstecken musste.

In ihren ersten gemeinsamen Jahren gab es nicht viele Differenzen und Streitigkeiten zwischen ihnen. Doch leider wurden diese immer mehr, den Helena entdeckte einen und sie auszusagen. Und natürlich waren dies immer sehr schöne Frauen, an denen er leicht mehr Interesse hätte entwickeln können. Aber das war nicht der einzige Grund. Zum einen vermisste sie ihre Freiheit, die sie für sich brauchte, zum anderen ließ sie dieses Gefühl nicht los. Das Gefühl, nicht für diesen Mann bestimmt zu sein, was zusätzlich ihre Eifersucht noch erhöhte. Dementsprechend macht sie ihm das Leben nicht gerade einfach und deshalb stritten sie sich von Jahr zu Jahr mehr. Bis sie es nicht mehr aushielt.

Es war der Abend nach dem alljährlichen Mitternachtsball als sie endlich den Entschluss fasste, ihn zu verlassen. Lange hatte sie mit sich gerungen, ihre immer noch unendliche Liebe zu ihm mit den Qualen abgewogen, die sie ihm und sich weiter zufügen würde, wenn sie blieb. Doch schließlich hatte die Vernunft gesiegt.
Jetzt stand sie vor seinem Arbeitszimmer, bereit den letzten Schritt zu tun, auch wenn es ihr das Herz brechen würde.
Von der anderen Seite der Tür her hörte sie eine weitere Auseinandersetzung, die ihr ebenfalls nicht unbekannt war. Herbert hatte zum gestrigen Ball mal wieder einen seiner männlichen Verehrer mitgenommen, was seinem Vater überhaupt nicht gefallen hatte. Breda konnte und wollte die Homosexualität seines Sohnes einfach nicht akzeptieren.
Aus diesem Streitpunkt im ’Hause’ Krolock, hatte Helena sich stets herausgehalten. Sie hatte im Laufe der Jahrhunderte ein sehr gutes Verhältnis zu Herbert entwickelt und wollte sich deshalb auf keine Seite schlagen.
Eine Weile hörte sie dem lautstarken Streitgespräch, welches durch die Tür dran, zu. Herbert ließ sich wirklich nichts von seinem Vater sagen und gefallen. In Sachen Sturheit stand er Breda in nichts nach. Auch in vielerlei anderer Hinsicht war er ganz der Vater.
Schließlich klopfte sie zaghaft an die Tür. Im Zimmer wurde es still und dann hörte sie Bredas barsche Stimme, woraufhin sie tief Luft holte und die Tür öffnete.
Beide Männer sahen ihr entgegen und Herbert nutzte die Gunst der Stunde, um sich schnell aus dem Staub zu machen.
Als sie endlich allein waren, sank Breda in seinen Sessel am Schreibtisch und Helena nahm auf der Couch platz. Nach einem kurzen Räuspern fing sie an zu sprechen. Es war nicht leicht, ihm ihre Gefühle zu erklären und ihn zu bitten, sie gehen zu lassen. Leider reagierte er auch genauso, wie sie es von ihm erwartet hatte und es entbrannte ein fürchterlicher Streit zwischen ihnen, infolgedessen Breda sie mit den Worten, sie solle ihm nie wieder unter die Augen treten, aus dem Schloss jagte.
Also raffte sie ihre sieben Sachen, sie nahm nur die dinge mit, die sie auch mit hierher gebracht hatte, zusammen und verließ auf schnellstem Wege das Schloss. Draußen drehte sie sich noch einmal um und sah zu den, in der Dunkelheit funkelnden, Lichtern zurück. Ihr Herz war schwer und von Trauer erfüllt. So viele schöne und glückliche Stunden hatte sie in diesem Schloss verbracht. Der Abschied fiel ihr doch schwerer als erwartet. Aber immerhin ging sie nicht ohne eine Erinnerung. Etwas würde ihr von ihrem Geliebten bleiben.
Eine einzelne Träne rann ihr Wange hinab, al sie dieser Vergangenheit den Rücken zudrehte und die leise geflüsterten Worte wurden vom kalten Nachtwind davongetragen.
„Lebe wohl Breda von Krolock. Ich werde dich niemals vergessen!“

Kurzgeschichte 1

„Lauf nicht zu weit!“, rief die junge Mutter ihrem dreijährigen Sohn hinterher.
Der kleine Bastian lief splitternackt über den Sand und juchzte fröhlich.
Lächelnd sah Cathreen ihrem Nackedei nach, während sie es sich im Strandkorb bequem machte. Sie hatte eine schreckliche Nacht gehabt und war todmüde. Die Nachtarbeit machte ihr schwer zu schaffen. Doch da sie tagsüber Zeit für Bastian haben wollte, ging es nun mal nicht anders. Ihr Freund hatte die Zwanzigjährige sitzen gelassen als sie schwanger geworden war und von ihren Eltern bekam sie auch so gut wie keine Unterstützung. Und darum war es nicht verwunderlich, dass sie binnen Sekunden einschlief.
Als Cathreen erwachte, wurde es langsam dunkel. Ein frischer Wind war aufgekommen und sie fröstelte. Einen Moment war sie durch den Schlaf verwirrt, aber dann war sie plötzlich hellwach.
„Basti? Bastian!“
Verzweifelt lief sie den Strand auf und ab. Kein Bastian, der kleine Junge schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Nur sein Strandspielzeug lag unberührt im Sand und seine winzigen Fußabdrücke reichten genau bis zur Wasserlinie.
Vielleicht ist er ja ertrunken!´, dachte sie völlig aufgelöst.
Warum bin ich doofe Kuh bloß eingeschlafen?! Oh Bast, wo bist du?
Tränen rannen ihr über die Wangen, als sie sich erschöpft auf die Knie sinken ließ. Gewissensbisse quälten sie und die Aussage ihrer Eltern und Freunde, sie sei eine miserable Mutter, kam ihr in den Sinn. Aber was in aller Welt sollte sie denn noch tun? Mehr als sich den Arsch aufreißen konnte sie schließlich nicht.
Reiß dich zusammen, Mädchen! Es hilft deinem Jungen nicht, wenn du jetzt durchdrehst!
Sie atmete ein paar Mal tief durch, raffte ihre sieben Sachen zusammen, und machte sich auf den Weg zur Polizei.
Dort angekommen klagte sie einem netten, gut aussenden Polizisten ihr Leid. Er machte ein Phantombild von Bastian und informierte seine Kollegen, die an den Strand fuhren. Eine Tauchergruppe sollte im Meer nach dem Jungen suchen, eine andere jeden Winkel vom Strand absuchen. Cathreen wurde nach Hause geschickt, wo die sich bereithalten sollte.
Widerwillig ging sie also zurück in ihre Wohnung und setzte sich, nahe dem Telefon, aufs Sofa. Es vergingen gerade mal fünf Minuten, als das Telefon klingelte. Und mit einem Satz war die junge Frau wieder auf den Beinen und hatte den Hörer in der Hand.
„Hallo!“
Schweigen.
„Hallo?! Wer ist da?!“
„Ich bin’s.“
„Ich, wer ist ich? Wer sind sie?“
„ich bin der Mann, der ihren Sohn entführt hat.“

Der Schwarm – Frank Schätzing

Klappentext

Vor Peru verschwindet ein Fischer. Spurlos. Norwegische Ölbohrexperten stoßen auf merkwürdige Organismen, die Hunderte Quadratkilometer Meeresboden in Besitz genommen haben. Währenddessen geht mit den Walen entlang der Küste British Columbias eine unheimliche Veränderung vor. Nichts von alledem scheint miteinander in Zusammenhang zu stehen. Doch Sigur Johanson, Biologe und Schöngeist, glaubt nicht an Zufälle. Auch der indianische Walforscher Leon Anawak gelangt zu beunruhigenden Schlüssen: Eine Katastrophe kündigt sich an. Die Suche nach dem Urheber konfrontiert die Forscher mit ihren schlimmsten Albträumen. Frank Schätzing inszeniert den Feldzug der Natur gegen den Menschen als atemberaubendes Schreckensszenario mit Tempo und Tiefgang.

Mein Fazit

Ich muss gestehen, dass ich, wenn ich dieses Buch in der Buchhandlung gesehen hätte, nicht gekauft hätte. Zwar finde ich den Klappentext interessant aber er hat mich nicht angefixt. Doch eine Freundin hat mir diesen Roman ans Herz gelegt und es ist tatsächlich zu einem meiner Lieblingsbücher geworden.

Frank Schätzing ist es mühelos gelungen, mich als Leser abzuholen und mich mit dieser Geschichte zu fesseln. Der Schwarm ist spannend und es gibt viele symphatische aber auch unsymphatische Charaktere, die ich geliebt und gehasst habe. Oft habe ich, aufgrund von purer Situationskomik, gelacht. Im nächsten Moment ist mir das Herz vor Spannung fast stehen geblieben. Ich habe mit den Charakteren gelitten und ihren Weg interessiert verfolgt.

Besonders gut gelungen fand ich Schätzings Art Wissen zu vermitteln. Wissenschaftliche oder biologische Vorgänge konnte ich, selbst als Laie, gut nachvollziehen und ich empfand sie als Hintergrundinfos unschätzbar.

Alles in allem eine sehr gelungene Geschichte, die ich gerne weiter empfehle. Eine gelungene Mischung aus Thriller und Science Fiction.

Sehr lesenswert!

Mein erstes Tattoo

Tattoon Ich

Hier einmal ein Foto von meinem ersten Tattoo, das ich mir im April 2013 habe stechen lassen.

Life Impressions

8. August 2015

Hi!

Ich war gestern zum Grillen eingeladen. War super nett und ein wirklich schöner Nachmittag/Abend. 🙂 Ganz nebenbei habe ich dann auch mal Werbung für meinen Blog gemacht und wir drei kamen gleich ins interpretieren. Ich fand es wirklich spannend, was andere in meinen Bildern sehen. hihi Das macht Mut und Lust, weiter den Pinsel zu schwingen.

Am Wochenende steht nicht viel bei mir an. Einkaufen, Haushalt, das Übliche eben. Und natürlich lesen und schreiben.

See you!

Gefühlschaos

Dieses Bild entstand gestern Abend. Ich merke, dass mir einfach drauf los malen hilft mit schlechten Stimmungen umzugehen.

Exif_JPEG_PICTURE

Gefühlschaos

Shopping

Hier seht ihr meine Errungenschaften. Acrylfarben, Pinsel, Schwämme und Leinwände. Reicht schon einmal zu Anfangen, finde ich.

Exif_JPEG_PICTURE

Malutensilien

Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg – Hape Kerkeling

Klappentext

Hape Kerkeling, Deutschlands vielseitigster TV-Entertainer, lief zu Fuß zum Grab des heiligen Jakob – über 600 Kilometer durch Spanien bis nach Santiago de Compostela – und erlebte die reinigende Kraft der Pilgerreise. Ein außergewöhnliches Buch voller Witz, Weisheit und Wärme, ein ehrlicher Bericht über die Suche nach Gott und sich selbst und den unschätzbaren Wert des Wanderns.

Mein Fazit

Auch wenn ich mich selber nicht als besonders religiös ansehe, habe ich natürlich schon vom  berühmten Jakobsweg gehört. Das Buch habe ich mir dann, aus reiner Neugier und auf Empfehlung einer Arbeitskollegin, geholt und ich bin nicht enttäuscht worden.

Hape Kerkeling beschreibt seine Reise auf eine Weise, die mich sowohl zum Lachen gebracht hat, bei der ich hier und da aber auch mal das eine und andere Tränchen verdrückt habe. Am humorvollsten waren dabei die Beschreibungen anderer Pilger, die mir bildhaft vor Augen standen. Auch die Illustrationen und die dazugehörigen Untertitel fand ich sehr gelungen. Genau wie das Fazit des Tages, am Ende eines jeden Kapitels/Tages.

Im Großen und Ganzen hat mich dieses Buch zum Nachdenken angeregt, insbesondere über meine eigene Meinung und Sichtweise zur Religion. Hinzu kommt, dass er, wie im Klappentext beschrieben, auch eine Reise zu sich selbst gemacht hat. Und das war, wie ich finde, spürbar.

Für mich war dieses Buch eine schöne, weitere Leseerfahrung und ich möchte es jedem ans Herz legen. Ob religiös oder nicht. Auf den Spuren Hape Kerkelings den Jakobsweg zu gehen, ist erfrischend und emotional.

fliegender Vogel auf blau-goldenem Hintergrund

Malkurs 1

Das ist das zweite Bild. das ich im Malkurs gemacht habe. Gefertigt ist es mit einer Drucktechnik.

Abstrakte Figuren 1

Malkurs 2

Hier ist also das fertige Bild. Viel verändert habe ich nicht mehr, da es mir so gut gefällt.

Tina Skupin

Walküren, Elche und Kickass!

tastenqual

Von einer, die auszog, Autorin zu werden

Patricia Strunk - Fantasyautorin

Autorenwebsite - Alles rund um meine Bücher und die Themen Schreiben und Marketing.

meridawild

Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer..

Wortklaubereien

Prokrastination im professionellen Stil

Luftschlossarchitektin

Wenn ich mich noch weiter von der Realität entferne, nähere ich mich ihr von hinten.

Ilargizuri

Mein Schreib- und Leseblog

Stilblüte

Rezensionen fantastischer Romane

Gedankenwanderung

into deepness

Dahlia schreibt

aus dem Leben einer Gay Romance Autorin

susannebloos

Alles rund ums Schreiben

Buchfarben

...weil Bücher das Leben bunter machen

Mirjam H. Hüberli

Schreibatelier & Kunstwerkstatt

%d Bloggern gefällt das: